Wer mit wachem Blick durch Oberschwaben fährt sieht, dass der überwiegende Teil der Obstbäume in der Landschaft alte Bäume sind. Dieser Eindruck entspricht durchweg der Realität. 

Die letzte Streuobsterhebung in Baden- Württemmberg von 2005 verdeutlicht die Situation:

Der Anteil am Neuanpflanzungen ist gleich hoch wie der Anteil der abgängigen (absterbenden) Obstbäume. Rund 74% der Obstbäume in der Landschaft befinden sich im ertragsfähigen Alter. 

Diese Zahlen hinterlassen im ersten Moment einen positiven Eindruck. Jedoch erhalten nur rund 21% der Obstbäume einen regelmäßigen Schnitt. Diese mangelhafte Pflege verkürzt die Lebenserwartung eines Obstbaumes deutlich.

Wie ist die Situation in 20 Jahren? Wieviele Obstbäume gibt es dann noch?

Diese Frage stellen sich auch die Mostereien und Fruchtsaftkeltereien in der Region.

Beim Austausch im Rahmen des Runden Tisches des Netzwerkes der Fachwarte und der Mostereien wurde die Frage diskutiert: wie können Streuobstwiesenbesitzer motiviert und unterstützt werden?

So entstand die Idee für das Projekt: Aufwertung von bestehenden Altbeständen durch Ergänzungspflanzungen von Jungbäumen.

Die Fruchtsaftkelterei Bentele aus Englisweiler (Steinhausen a.d. Rottum) konnte als Projektpartner gewonnen werden.

Die Adventskalenderaktion der Kreissparkasse Biberach und die Firma Böhringer Ingelheim unterstützen die Idee mit 2000.-€, bzw. 350.-€.

Die Fruchtsaftkelterei Bentele führte unter ihren Obstlieferanten eine Umfage durch. Dadurch kamen Kontankte zu Streuobstwiesenbesitzern, welche gerne Obstbäume nachpflanzen, bzw. ihre Bestände erweitern möchten zustande. In persönlichen Gesprächen vor Ort wurde die Motivation der Interessenten abgeklärt. 

Am Ende blieben 15 Streuobstwiesenbesitzer übrig. Welche ihre Bäume auch bisher schon pflegen und zusätzlich das Interesse haben, ihre Obstbaumschnittkenntnisse zu vertiefen.

Diese 15 Streuobstliebhaber wollten insgesamt 96 Obstbäume pflanzen.

Am 11. November 2017 fand die große Obstbaumpflanzaktion statt. 

Die potentiellen Baumbesitzer und ein gutes dutzend Fachwarte und weitere Helfer trafen sich auf dem Hof der Mosterei Bentele in Englisweiler um die bei der Baumschule Haid bestellten Bäume zu verteilen, an ihren Bestimmungsort zu transportieren und natürlich auch zu pflanzen.

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Mit der Unterstützung und fachkundigen Anleitung durch die Fachwarte konnten die Obstbäume trotz des nasskaltem Novemberwetters in bester fachlicher Praxis gepflanzt werden.

Es wurden 35 verschiedene Sorten gepflanzt. Das meiste sind Apfelbäume, neben den Klassikern wie Bohnapfel, Boskoop und Sonnenwirtsapfel wurden häufig Lokalsorten wie Christs Liebling, Kickacher und Aufhofer Klosterapfel ausgewählt. Auch ein paar Birnen- und Zwetschenbäume und ein Walnussbaum standen auf der Liste.

Die Baumbesitzer übernehmen die Kosten für die Obstbäume. Das weitere Zubehör wie Wühlmauskorb, Pflahl, Anbindematerial etc. wurde vom Netzwerk der Fachwarte mit den Spendengelden übernommen.

Nach der anstrengenden Arbeit gab es selbstvertändlich ein Vesper in den Räumlichkeiten der Mosterei Bentele.

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Damit sich die Mühe lohnt und die Bäume auch dann die ersehnten Früchte tragen ist eine kontinuierliche Pflege unverzichtbar. Das erste Treffen der Jungbaumbesitzer findet im März 2018 statt. Dort stehen dann der Pflanzschnitt und die weiteren Pflegemaßnahmen auf dem Programm. Alle Obstbaumbesitzer haben zugesichert, dass sie das Angebot der intensiven fachlichen Begleitung durch die Fachwarte des Netzwerkes nutzen möchten. Während der nächsten zehn Jahre sollen jährliche Schnittkurse einen fachgerechten Erziehungsschnitt und eine optimale Jungbaumpflege gewährleisten.

Danach sind die ohnehin schon motivierten Obstbaumliebhaber in der Lage ihre Bäume selbstständig und fachgerecht zu pflegen.

Nur wenn Obstbäume nachgepflanzt und auch gepflegt werden, hat das Kulturbiotop Streuobstwiese eine langfristige Perspektive. Streuobstwiesen sind unersetzliche Überlebensräume für viele Tier und Pflanzenarten. Sie sind Inseln der Biologischen Vielfalt, die wir für die nächsten Generationen erhalten müssen.